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Verjüngungskur mit Skalpell, Kleber und Draht - Dr. Christoph Hellbrügge restauriert Grabsteine auf dem alten Ümminger Kirchhof

Erstellt am 06.06.2018

BOCHUM - Weiße Gewebeplanen decken wie Zipfelmützen die 76 Grabsteinen auf dem historischen Ümminger Kirchhof im Besitz der Kirchengemeinde Querenburg ab. Für Freunde der Verpackungskunst ist das - vor allem im Kontrast zum kräftigen grün der Wiese - ein toller Anblick. Dr. Christoph Hellbrügge, der die Steine mit seinem Team derzeit saniert, sieht darin mehr den Zweck. "So sind die Steine bis zum Abschluss unserer Arbeiten gut geschützt", erklärt der 61-jährige studierte Kunsthistoriker und Restaurator. Er zeigt dazu auf mehrere der Planen voller Vogelkot. Für die historischen Grabsteine aus Sandstein, von denen die ältesten aus dem Jahr 1623 stammt, nicht nur ein unschöner Anblick. Auf Dauer ist das neben Sonne, Regen und wechselnden Temperaturen auch einer der möglichen Ausgangspunkte für neue Verwitterungsprozesse an den Sandsteinen. "Etwa alle 20 Jahre sollten diese Grabsteine deshalb gereinigt und gesichert werden", meint der Fachmann dazu. Was er unter dieser denkmalpflegerischen Maßnahme versteht, führt er anschließend an den Steinen und am Arbeitstisch vor. Das Erfassen von jedem einzelnen der Grabsteine in einem Kataster war da der Ausgangspunkt, wie die Nummern an jedem Stein zeigen. Hellbrügge und sein dreiköpfiges Team dokumentieren dazu akribisch alle Schäden, inklusive der aktuellen Erhaltungsmaßnahmen. 

Reinigen, vorsichtiges Bearbeiten des Steins - auch mit dem Skalpell - und punktgenaues Instandsetzen der aufgefundenen Spalten und Löcher folgen derzeit. "Wir nehmen von jedem Stein eine Materialprobe, um mit gemahlenem Stein genau dieser Materialqualität und Farbigkeit vermischt mit Epoxitharz die Schäden zu beheben", erklärt der Restaurator zu dieser Arbeit. Ziel: Nachfolgende Schädigungen des Grabsteins durch die Reparaturen möglichst zu minimieren sowie diese für das Auge kaum sichtbar zu halten. Bei größeren Spalten baut Hellbrügge auch dünnen Edelstahldraht ein, um dem Grabstein dort zukünftig mehr Halt zu geben. "Wir bohren dafür mit dem Schlagbohrer drei Millimeter dicke Löcher, legen den Draht ein und verkleben alles mit dem vorher extra für den Stein angemischten Material", erklärt der Restaurator. 

Für das zielgenaue Verkleben nutzt Hellbrügge so genannte "Packer", kleine runde Plastikstöpsel, die vorab auf die Schadstellen gesetzt werden. Nach dem Austrocknen werden sie abgenommen. "Hier kommt mir meine Maurerlehre zu Gute, die ich gemacht habe, um damit mein Studium während der Semesterferien zu finanzieren", schmunzelt der Fachmann. Inklusive praktischer Materialkunde. 

Wie gehen die Arbeiten voran? "Pro Tagen schaffen wir derzeit durchschnittlich einen Stein", erklärt der 61-Jährige. Bis August sollen alle Steine runderneuert sein. Das passt! Im September soll es ein Hoffest bei Schulte-Ümmingen geben, um das Ende der Arbeiten zu feiern. 

Die Restaurierungsarbeiten finanziert die "Bürgerinitiative zur Erhaltung des Ümminger Kirchhofs" und die Bochumer Kortum-Gesellschaft mit Unterstützung der NRW-Stiftung. Initiator Clemens Kreuzer machte sich seit Dezember 2015 stark für diese Arbeiten. Diese umfassen auch die Sanierung der historischen Grundmauern der "Dorfkirche Ümmingen" (abgerissen wegen Baufälligkeit in 1895) im Laufe des Sommers.  

Kirchmeisterin Ulrike Frielinghaus von der Gemeinde Querenburg freut sich. "Es ist toll, wie sehr sich Herr Kreuzer und die Initiative für diesen Kirchhof einsetzen. Unsere Gemeinde hätte das nicht stemmen können", erklärt sie. 

Der historische Kirchhof ist auf dem Friedhof Ümmingen (Alte Ümminger Straße/Auf dem Rüggen zu finden. Förderer willkommen.
Spendenkonto: Kortum-Gesellschaft e.V., Sparkasse Bochum
IBAN: DE25 4305 0001 0001 3597 77, Stichwort "Kirchhof Ümmingen". 

Text und Foto: Fritz-Wicho Herrmann-Kümper.

Herrn Fritz-Wicho Herrmann-Kümper danken wir für die freundliche Überlassung seines Berichts.

76 historische Grabsteine restaurieren Dr. Christoph Hellbrügge und Diplomrestauratorin Jana Nowak auf dem Ümminger Friedhof.

Mit dem Spachtel am Werk: Diplomrestauratorin Jana Nowak bearbeitet vorsichtig einen Stein.

Eingepackt und nummeriert sind alle Grabsteine derzeit.

Feinarbeit mit dem Skalpell am historischen Stein.

Fotos im Seitenkopf: © Canan Maaß